Erneut betrat ich die grüne Insel mit ihren elf Millionen Olivenbäumen,
verträumten Buchten und tiefen Schluchten. Es war, als ob ich sie erst einen
Tag zuvor verlassen habe, obwohl es doch ein ganzes Jahr her war. Keine
großen Veränderungen, alles vertraut. Auch, wenn ich 'nur' Tourist bin,
konnten sich die Menschen, die ich im letzten Jahr kennen gelernt habe,
gleich an mich erinnern und kamen auf mich zu, begrüßten mich wie einen
alten Freund. Einige sprachen mich sogar mit dem Namen an. Für mich, der ich
ein katastrophales Personengedächtnis habe, war allein das schon erstaunlich
Schöne Dinge passieren einem auf Lesbos. In
Mandamados beispielsweise, einem Ort in den Bergen mit einem sehr
sehenswerten Kloster, kam ich zufällig hinzu, wie in einer Taverne ein
Pferdebesitzer mit dem Schmied das Beschlagen seines Pferdes feierte.
Nachdem ich das Pferd samt Hufen eingehend erklärt bekam, wurde ich zur
Feier eingeladen, es wurde gesungen und getanzt.
In Stipsi, einem kleinen Bergdorf, lief mir in einer kleinen Gasse
eine sehr alte Frau entgegen. Sie fragte, ob ich Ausländer bin und bot sich
sofort an, mir den Ort zu zeigen. Sie erzählte alles mögliche über den Ort
und freute sich sichtlich, Fremde zu treffen, die sich für ihre Heimat
interessieren.
Viele Lokale, in denen ich während meiner Aufenthalte auf der Insel öfter
war, hatten am letzten Tag Abschiedsgeschenke. Ein kleines Fläschlein Ouzo
hier, die passenden Gläser da. Am rührendsten war der Wirt der Strandbar
Acapoulco in Anaxos, er schenkte mir zum Abschied seine Lieblings-CD.
Lesbos, ich komme wieder!
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